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Dieser wunderschöne weiß gefleckte Pilz lädt zu spannenden Geschichten und altem Wissen ein. Geschichten, die wir einst kannten und die zu unserer Kultur gehören.
Nimm dir diesen einen Moment und lausche ihnen wieder.
Wer ihn im Wald findet, wird in eine Welt voller Magie eingeladen. Ein grüner Teppich, mit roten Punkten, gesäumt von anmutigen Birken und Kiefern. Hier ist er zu Hause, genießt seine Freiheit, denn er kann nicht kultiviert werden.
In der nordischen Mythologie weiß man ganz genau, wie der Fliegenpilz zur Erde kam. Als Thor mit seinem Wagen durch die Lüfte flog und seinem Hammer schwang, erzeugte er kräftige Blitze und Donner. Traf ein Blitz den Boden, wurden dort Fliegenpilze geboren.
Doch hier endet die Schöpfungsgeschichte der Fliegenpilze nicht.
Odin ritt mit seinem achtbeinigen Pferd am Weihnachtsabend aus und wurde von Teufeln gejagt. Das gehetzte Pferd verlor dabei rotgesprenkelten Schaum aus seinem Maul und dieser fiel auf die Erde. Im darauffolgenden Jahr wuchsen genau dort rote Hüte mit weißen Punkten.
Diese Fliegenpilze dienen letztlich auch seinen beiden Raben Hugin und Munin als Speise, als Nahrung für das Denken und das Gedächtnis. Denn diese „fliegen“ aus, um ihm als Botschafter zu dienen. Sie teilen ihm alles mit, was sie gesehen und gehört haben. Und wer weiß, vielleicht sehen sie durch den Fliegenpilzflug mehr als andere…
Ist Odin also am Ende der echte Weihnachtsmann? In Skandinavien kann man beobachten, wie Rentiere den Fliegenpilz konsumieren und in einen Rausch verfallen. Um die giftige Wirkung des Fliegenpilzes zu vermeiden, trinken manche den Urin der Tiere und verfallen so in einen psychoakiven „Flug“. Da bekommt die Aussage „Iss keinen gelben Schnee!“ eine ganz andere Bedeutung …
Ist der nordische Allvater also auf einem Fliegenpilztrip in einem typischen roten Umhang und gibt lustige Laute wie „ho ho ho“ von sich? Einige spekulieren so, denn diese Überlieferung ist älter als die Coca-Cola Werbung.
Ich weiß es nicht und am Ende ist der Weihnachtsmann einfach der Weihnachtsmann (was viel glaubwürdiger ist) und der Fliegenpilz einfach nur eine Fliegenfalle …
Zwergenwein
Wenn der Fliegenpilz seinen Schirm vollständig öffnet und sich das Regenwasser darin sammelt, kann man den sogenannten Zwergenwein darin finden.
Das Regenwasser sammelt sich in dem entstandenen Becher und nimmt im Laufe der Zeit, die Wirkstoffe und Farbstoffe des Fliegenpilzes auf. In den halbkugeligen Hüten kann man dann eine goldgelbe Flüssigkeit entdecken, welche eine halluzinogene Wirkung haben kann.
In diesem Stadium nannte man den Pilz dann Zwergenbecher, Zwergenkelch oder Hexenbecher.
Die Verbindung zwischen dem Fliegenpilz und den Zwergen ist über all die Jahrhunderte erhalten geblieben. In vielen Märchen- oder Kinderbüchern kann man noch heute Darstellungen betrachten, bei welchen ein Zwerg auf oder unter dem Amanita muscaria sitzt.
Früher dachte man, dass die Zwerge den Zwergenwein trinken und so auf Reisen gingen und man die Zwerge selbst sehen kann, wenn man den Zwergenwein trinkt, denn sonst seien sie unsichtbar.
Ach ja…die guten alten Geschichten. Spannend. Aber dennoch, lasst es bitte bei einer Geschichte und probiert es nicht aus.
Agrikulturella